Mittwoch, 4. September 2019

Die letzten Saisontage


Dienstag, 03. September 2019. Nävekvarn. Vorbereitungen für das Auswassern.

Am Vormittag wird ein Platz in der Nähe des Slips frei, weil eine holländische Ovni aus dem Wasser genommen wird. Wir nutzen schnell die Chance und verlegen unseren Liegeplatz dorthin. Schlagartig ist es vorbei mit dem Gehopse. In der Nacht war es zwar windstill und ruhig, aber die beiden großen Schiffe, die im Fahrwasser in einer Entfernung von wenigen hundert Metern vorbeifuhren, haben ordentliche Wellen verursacht, die mit großem Lärm unter unsere Badeplattform schlugen und uns jeweils geweckt haben.

Die meisten Dinge, die zum Saisonende fällig werden, möchte man am liebsten gleichzeitig und zuletzt machen. Trotzdem finden sich einige Aktionen, die wir auch heute schon erledigen können. Ich bringe das Altöl den Berg hinauf zur Werft (und schließe dort auf der Winnipesauke die Fahrräder noch mit einem Kettenschloss ab), außerdem verstauen wir unsere Fahrräder diesmal gefaltet (weil sie nämlich Falt- und nicht etwa Klappräder sind) in ihren Packtaschen. Dann wird schon mal einiges zusammengepackt, was mit ins Gepäck muss. Anders als bisher haben wir ja nun kein Auto vor Ort, d.h. wir müssen uns auf Mengen beschränken, die wir auf dem Ryan Air Flug nach Bremen mitnehmen können. Für mich wird das kein Problem sein, Christine macht den Check für ihre Klamotten erst morgen.

Heute läuft eine Bavaria 37 ein, deren deutsche Besatzung wir am 17. Juni in Läckö Slott getroffen hatten. Unserer Empfehlung folgend, haben sich Renate und Eckhard auch hier in der Swede Port Marina angemeldet und werden ebenfalls am Donnerstag auswassern. Am Abend sind wir bei ihnen auf ihrem Boot eingeladen. Wir haben ausgesprochen interessante Diskussionen über die Segelei sowie Gott und die Welt, die sich bis Halb zwei in der Nacht hinziehen. An unserem neuen Liegeplatz schlafen wir mit Prosecco und Rotwein im Bauch dann ausgesprochen gut.



Mittwoch, 04. September 2019. Ein Tag vor dem Haulout in Nävekvarn.

Die Schweden sind ja insgesamt ein ziemlich relaxtes Volk. Jedenfalls unserer Erfahrung nach. Mikael, der Chef der Werft, ist insofern ein ganz besonders typischer Vertreter seiner Nation. Am Vormittag fragt er zunächst einmal per Email ab, wann wir denn im nächsten Jahr wieder mit dem Boot ins Wasser wollen. Klar, das ist wichtig für die Reihenfolge, in der die Boote in die Halle kommen. Da die Schiffe hier einzeln aufgebockt werden (und dementsprechend nicht so flott hin und her bewegt werden können wie das in Elburg der Fall ist) möchte man unnötiges Rangieren natürlich verständlicherweise vermeiden. Erstaunlich ist nur, dass diese Dinge nicht früher abgefragt wurden, sondern jetzt kurzfristig bekannt gegeben werden müssen. Die meisten Leute haben sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht. Wir legen einfach einen Termin fest, an dem Mitte Mai ein Flug nach Skavsta geht.

Um die Mittagszeit gehe ich dann mal hoch zur Werft, um mit Mikael zu sprechen. Er hat immer noch keinen Plan, wann welches Boot aus dem Wasser kommt. Außerdem möchte er gern, dass wir den Mast legen und unsere Kuchenbude abbauen, damit wir niedriger werden. Mast legen ist natürlich kein Problem, aber das große Zelt wollen wir aus verschiedenen Gründen eigentlich gern stehen lassen. Er befürchtet, dass seine Hallen zu niedrig sind. Die exakten Maße der Hallenhöhe und auch der Tore hat er allerdings weder im Kopf noch sonst zur Hand. Ich weiß, dass unsere Gipsy 5 vom Kiel bis zur Oberkante der Kuchenbude 5 m hoch ist. Vielleicht 4,98 m, vielleicht auch 5,06 m. Er fragt mich, ob ich glaube, dass unser Boot in seine Halle passt. Wie soll ich schätzen, ob die Halle 4,90 m oder 5,20 m hoch ist? Also erkläre ich ihm, dass wir das ja wohl ausmessen müssen. Tatsächlich fehlen in beiden Hallen, die in Frage kommen, wenige Zentimeter Höhe. Wir müssen also wohl in den sauren Apfel beißen und unser Zelt flach legen. Hoffentlich können wir es dann an Ort und Stelle zumindest wieder aufstellen, damit unser Cockpit besser vor Staub und Vögeln geschützt ist. Das hängt davon ab, ob das Boot schließlich zwischen den Betonträgern des Daches steht oder direkt unter einem Träger.

Ärgerlich ist auch, dass wir das Beiboot nicht in den Davits hängen lassen können. Das heißt, wir könnten schon, müssten dann aber für den Platz bezahlen. Macht etwa 500 Euro extra. Also beißen wir noch mal in den sauren Apfel und bringen den Außenborder an Bord und klappen das Dinghy senkrecht am Heck hoch, wobei uns Eckhard erfreulicherweise tatkräftig unterstützt.

Man hatte uns ursprünglich zugesagt, dass wir als Erste am Morgen aufgeslippt werden. Auch das ist nun leider nicht der Fall. Wir sind erst als Zweite dran und vor uns muss noch die Winnipesaukee in die Halle manövriert werden. Das kann man nicht etwa heute schon machen, weil nämlich der Fahrer des Treckers erst morgen vor Ort ist. Wir hoffen, dass sich das Timing mit unserem Abflugtermin am Nachmittag verträgt. Unseren Flieger wollen wir natürlich ungern versäumen und den möglichen Stress davor würden wir auch gern vermeiden. Schließlich gibt es auch noch ein paar Kleinigkeiten an Bord zu erledigen, wenn das Boot an Land steht.

Mit Klamotten packen, putzen, Kühlschrank abtauen, Vakuumieren der Anziehsachen, die hier bleiben, und und und sind wir jedenfalls den ganzen Tag beschäftigt, auch wenn wir es ruhig angehen lassen können. Am Abend drehen wir dann auch das Wasser ab, leeren den Boiler und putzen die Buffer-Tanks. Jetzt können wir nicht mal mehr Zähne putzen oder die Toiletten an Bord benutzen. Aber dafür stehen an Land Sanitäranlagen zur Verfügung. Für Morgen hoffen wir jedenfalls, dass wir nicht später als 11 Uhr aus dem Wasser gezogen werden.



Wir warten auf das Auswassern. Links im Bild der Slip, auf dem das Boot morgen aus dem Wasser gezogen wird. 

 Erstmals lagern wir über den Winter den Außenborder an Deck.

 Auch die Fahrräder verpacken wir heuer und lagern sie im Cockpit.


 Das Dinghy wird am Heck hochgeklappt, damit wir nicht für anderthalb Meter mehr Länge bezahlen müssen.

 Aus den technischen Geräten werden alle Batterien entfernt ... und, und, und ....



Montag, 2. September 2019

Endstation Nävekvarn


Montag, 02. September 2019. Letzte Etappe: Von Nyköping nach Nävekvarn, 39 km

Wir starten schon um sieben Uhr, weil der Wind gegen Mittag zunehmen soll und wir am Ende des heutigen Törns außerhalb des geschützten Schärengewässers fahren werden. Tatsächlich frischt der Wind auf 4 Bft auf und produziert eine 40-Zentimeter-Welle, die wir erfreulicherweise von vorn haben.

Um 11 Uhr sind wir am Ziel und fahren als Erstes zur Tankstelle. Hier ist der Diesel tatsächlich 30 Eurocent billiger als in Nyköping und 40 Cent günstiger als in Stockholm. Die 614 Liter, die wir brauchen, fließen etwas mühsam und nur in Etappen in unseren Tank. Wie in Schweden üblich, tankt man in Selbstbedienung via Kreditkarte. Das Volumen ist allerdings auf einen monetären Betrag beschränkt (1500 SEK), so dass man etwa alle 93 Liter die Zapfpistole wieder einhängen und einen neuen Zahlvorgang starten muss. Mit dem Boot liegen wir allerdings nicht komfortabel direkt vor der Säule, so dass ich jedes Mal den 20 Meter langen Schlauch mit hin- und herschleppen muss. Insgesamt also sieben Mal!

Leider bekommen wir anschließend keinen schönen Liegeplatz, sondern müssen uns an den äußeren Schwimmsteg legen. Hier läuft die Welle direkt aufs Boot und lässt es so unangenehme Bewegungen vollführen, dass Christine beim Putzen der Scheiben der Kuchenbude glatt schlecht wird. Mich beeinträchtigt das beim Ölwechsel glücklicherweise nicht, mit dem ich gleich nach einem schnellen Mittagsmüsli beginne, um nämlich die Tatsache auszunutzen, dass der Motor jetzt noch 75 Grad Temperatur hat und das Öl schön dünnflüssig ist. Die 18 Liter Öl sind deshalb auch sehr schnell abgepumpt. Beim anschließenden Wechseln des Ölfilters bin ich diesmal besonders umsichtig und tatsächlich gelingt mir erstmals ein Filterwechsel ohne eine Sauerei zu veranstalten. Fürs nächste Mal will ich mir merken, dass es wichtig ist, den Filter vor dem Anstechen nicht loszudrehen und nach dem Anstechen komplett leerlaufen zu lassen, wofür man ziemlich viel Geduld braucht. Aber dafür spart man sich am Ende das Aufwischen größerer schwarzer Öllachen in der Bilge. Nach zweieinhalb Stunden ist alles erledigt, inklusive Aufräumen und Säubern der Arbeitsgeräte.

Danach machen wir uns auf zum Werftgelände um ein paar Dinge mit den Leuten dort zu besprechen. Michael ist der Chef und dann gibt es noch den Mechaniker Mathias. Die beiden sitzen entspannt in einem kleinen Aufenthaltsraum und palavern wohl gerade über die Aktivitäten, die morgen anstehen. Heiko hatte schon gemeint, die Typen seien total „tiefenentspannt“. Dem ist eigentlich wenig hinzuzufügen. Bin gespannt, wie das hier alles abläuft. So professionell wie in den beiden vergangenen Jahren in Elburg wohl eher nicht. Wir spazieren noch auf die kleine Insel. Es gibt ein paar nett angelegte Wege und Grillstellen dort zwischen den Felsen und Kiefern.

Auf dem Weg zur Werft schauen wir auch kurz beim Hafenmeister vorbei. Wir wollen unsere Hafengebühren bezahlen, erfahren dort aber, dass wir eine Woche vor unserem Haul-Out-Termin hier gratis liegen können. Das stört uns ja nun gar nicht. Außer uns warten einige andere Bootsbesatzungen auf das Auswassern, darunter überproportional viele Niederländer (echte, nicht nur solche, die eine rot weiß blaue Flagge am Heck fahren, so wie wir). Sie alle sind auf die bordeigene Verpflegung angewiesen, denn das Restaurant hier im kleinen Hafen hat nur noch am Wochenende geöffnet. Tote Hose allerorten.

 Während wir unser SUP putzen und einpacken, ...




 ... fahren andere (ganze Familien mit Kleinkindern) noch auf ihren Paddleboards herum (am Samstag in Nyköping)


 Heute während der Fahrt von Nyköping nach Nävekvarn. Ich hatte den kleinen Eimer schon mit einem Müllsack versehen, um für den Tankvorgang (man braucht meistens viel Küchenrolle um übergelaufenen Diesel aufzuwischen) gerüstet zu sein. Irgendwo muss der Wind hinein gepustet haben und plötzlich bläst sich der Sack auf.



Das heiße Öl lässt sich gut und schnell abpumpen. Aus der Pumpe gieße ich das Altöl in einen 20-Liter-Kanister.



Schwierig ist es, den Ölfilter abzunehmen, ohne eine Sauerei zu veranstalten. Diesmal gelingt mir das erfreulicherweise. Man braucht etwas Geduld dazu, denn man muss das Ding nach dem Anstechen wirklich leer laufen lassen und das dauert eine halbe Stunde.



Die neuen Kanister stehen bereit. 18 Liter Liqui Moly 10W40 Leichtlauföl synthetisch werden eingefüllt.

 Diesmal stehen wir nicht vor verschlossenen Toren. Das Gelände der Swede Port Marina.

 Die Winnipesauke steht noch draußen, wie alle anderen Boote auch. Offenbar werden alle Yachten zunächst mal im Außengelände geparkt und dann nach einem bestimmten System (hoffentlich) in die Hallen gefahren.

 Dieser Liegeplatz ist den Wellen leider ziemlich ausgesetzt und deshalb etwas ungemütlich. Hoffentlich können wir ihn morgen verlassen.


 Während eines kleinen Abendspaziergangs auf der Insel, die einem Teil der Marina Wellen-Lee bietet. Unserem Liegeplatz bei der aktuellen Windrichtung West aber leider nicht (bei Süd oder Ost schon gar nicht).





 Von Nyköping nach Nävekvarn, 39 km.












Der Track endet bei der Tankstelle, zu der wir als Erstes fahren. Unterer Pfeil: Unser Liegeplatz am Außensteg außen. Oberer Pfeil: Standort der Swede Port Marina, unser Winterlager.

Samstag, 31. August 2019

Radtour und Wanderung

Samstag, 31. August 2019. Nyköping. Eine Radtour und Wanderung.

Schönes Wetter, 25 Grad, aber windig. Am Vormittag packen wir schon mal das SUP zusammen und verstauen es unter Deck. Ich fahre mit dem Rad zum Baumarkt und außerdem haben wir einiges zu organisieren. Am Nachmittag radeln wir, einer Empfehlung der Dame im Tourist-Center folgend, zu dem 8 km entfernt gelegenen Naturreservat Linudden und wandern dort auf einem 9 Kilometer langen Rundkurs, der oftmals am Wasser, aber meistens im Wald verläuft. Ich bin erstaunt, wie viele Birken es hier gibt. Ich glaube, so viele und so große habe ich noch nie gesehen. 

 Es ist leer an der langen Pier in Nyköping. Heute am Samstag ist auf der Promenade tagsüber durchaus noch was los, aber das ist wohl dem Wochenende und dem schönen Wetter geschuldet. Ansonsten ist deutlich zu merken, dass wir in der Nachsaison sind. Derzeit ist das Wetter wärmer, als es hier der Jahreszeit entsprechen würde. Stört uns nicht.

 Wanderung im Naturreservat Linudden. Über die Weidezäune steigt man hier hinweg.


 Jede Menge Birken, teilweise richtig groß und dick.






 Eine Kiefer, wie diese hier, bildet normalerweise Pfahlwurzeln aus und fällt deshalb nicht so leicht um. Wenn unter einer dünnen Schicht Humusboden blanker Fels liegt, geht das natürlich nicht und dann haut der Wind eben auch mal eine Kiefer um.

 Eintragung ins goldene Buch des Wandervereins.


 Das ist die Strecke, die wir mit dem Rad fahren ...


... und diesen 9 km Rundkurs machen wir zu Fuß.

Freitag, 30. August 2019

Von Trosa nach Nyköping


Freitag, 30. August 2019. Von Trosa nach Nyköping, 51 km.

Bei schönstem Wetter (viel Sonne, wenig Wind und Wellen) fahren wir am Vormittag von Trosa nach Nyköping. Die Strecke kennen wir zwar schon von der Fahrt in die andere Richtung, aber sie ist so schön, dass wir gerne noch einmal diese interessante Passage durch die Schären südlich von Stockholm machen. Am Ziel legen wir uns wieder an den gleichen Platz wie beim letzten Mal, unweit der Eisdiele, die sogar noch geöffnet hat und später von uns einen Besuch abgestattet bekommt.

Es ist alles wie gehabt und den Hafenmeister kennen wir ja auch bereits. Die Liegegebühr ist gleich hoch wie vor einem Monat und es gilt noch der 2+1 Rabatt, d.h. zwei Tage bezahlen und ein Tag gratis liegen. Damit kommen wir auf einen moderaten Satz, denn wir planen, die nächsten drei Nächte hier zu bleiben und dann zu unserem Werftbetrieb für das Winterlager in Nävekvarn zu fahren.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem Stadtbummel, bei dem wir noch einige Besorgungen erledigen.



 Wir lassen Trosa hinter uns zurück. Man sieht gut, wie leer es im Hafen auf den Gastliegeplätzen ist (längsseits der Pier auf der linken Seite und die Bojenliegeplätze rechts der Pier)













 Trosa nach Nyköping, 51 km. Eine tolle Strecke, ...

 ... bei der man ziemlich aufpassen muss. Schnell könnte man auf eine der zahlreichen Untiefen oder flachen Stellen aufbrummen. Dieser kleine Felsen in Verlängerung unserer Kurslinie (Bildmitte) ist nämlich kaum zu sehen, weil er gerade mal 5 cm aus dem Wasser heraus schaut.

 Hier ist Hakenschlagen mit harten Ruderlagen angesagt.











Anlegen in Nyköping an derselben Stelle wie beim letzten Mal. Weil's so schön war.