Samstag, 6. April 2019

Von Elburg nach Schareiland


Samstag, 06. April 2019. Von Elburg nach Schareiland bei Sneek, 81 km, 2 Schleusen.

Die Roggebotsluis arbeitet in der Vorsaison samstags erst ab 10 Uhr. Deshalb richten wir unsere Abfahrtszeit in Elburg so ein, dass wir bei gemütlicher Marschfahrt die 10 Kilometer bis dorthin zu dieser Zeit hinter uns haben. Wir haben Glück, denn der Schleusenmeister arbeitet sogar schon ab 09.50 und wir können gleich in die Kammer einfahren. Wir sind überrascht, wie viele Yachten zu dieser Zeit des Jahres (immerhin ist es mit 8 Grad relativ frisch und den Seglern weht auch noch der Wind um die Ohren) schon unterwegs sind, denn die Schleuse wird voll belegt. Wir sind dick eingepackt in Ski-Unterwäsche und warmen Anoraks. Anders als beim Skifahren bewegen wir uns hier schließlich nicht.

Wir fahren längs durchs Ketelmeer und unter der Ketelbrücke hindurch. Auf diesem Kurs kommt der Wind von hinten, der aber mit etwa 10 km/h so schwach ist, dass er eh keine nennenswerte Welle aufbaut und wir auch später auf dem Ijsselmeer kaum Bewegung im Schiff haben.

Um 1430 kommen wir vor der Princess Margrietsluis an, deren Kammer immerhin 260 Meter lang und 16 Meter breit ist. Aber wir müssen zwei großen Binnenschiffen den Vorrang geben und passen so eben dahinter. Auch zwei andere Sportboote können sich gerade noch mit hineinquetschen. Um 1510 verlassen wir die Schleuse wieder. Weil wir flott unterwegs sind, legen wir unseren Übernachtstopp nicht in Lemmer ein, sondern fahren noch 20 km weiter und legen uns schließlich an einen Naturparkplatz an der kleinen Insel Schareiland am Princess Margrietkanaal, direkt gegenüber zur Einfahrt nach Sneek.

Nach einem leckeren Currygemüse aus Christines Zauberküche drehen wir noch eine Runde um das Eiland. Nicht lang, es sind nur anderthalb Kilometer, aber dafür bekommen wir am Ende nasse Füße, weil es unter dem langen Gras etwas sumpfig ist. Endlich zeigt sich auch die Sonne, wenn auch nur in blassem Licht.An Bord beschäftigen wir uns mit der Planung für morgen und dann muss ich mich auch noch um das AC-Schaltpanel kümmern, denn den Inverter kann ich zwar ein- und ausschalten, seine Spannung und Frequenz werden aber mit „0“ angezeigt, was ja nicht sein kann, wenn die 230 Volt Geräte laufen. Den Fehler finde ich auch nach einer Stunde nicht. Wie durch Geisterhand funktioniert die Anzeige dann aber plötzlich wieder. Da wir hier ohne Landstrom übernachten, sind wir auf den Saft aus den Bordbatterien angewiesen. Schon nach zwei Stunden zeichnet sich ab, dass deren Leistung gegenüber dem Vorjahr deutlich nachgelassen hat. Da werden wir wohl bald Ersatz brauchen.

 Um zehn Uhr in der Roggebotsluis. Wir sind erstaunt, wie viele Boote schon unterwegs sind.

 Und das erstaunt uns noch mehr: Eine sechsarmige Windmühle!

 Bis zur Mitte des Nachmittags ist das Wetter diesig und kühl. Es weht aber nur ein schwacher Wind, der die Fahrt auf dem Ijsselmeer für uns angenehm gestaltet.


 Zweite Schleuse des Tages. Die Princess Margrietsluis ist ziemlich groß. Wir passen gerade noch hinter zwei lange Binnenschiffe.

 Liegelatz für die Nacht an einem Steg vor Schareiland.


 Ein freigemähter Wanderweg führt einmal rings um die kleine Insel, etwa 1,5 km lang.





Heutige Tagesetappe von Elburg nach Schareiland, etwa 5 km östlich von Sneek.




Freitag, 5. April 2019

Zandverhalen


Donnerstag, 04. April 2019, Elburg. Einkauf und kleinere Jobs an Bord

Als Erstes am Morgen steht Shopping auf dem Programm. Keine Klamotten oder Schuhe, sondern viel profaner: Aldi und Plus, ein holländischer Supermarkt. Vor allem Getränke kaufen wir in größeren Gebinden ein, weil das jetzt mit dem Auto vor Ort angenehmer ist als später per Fahrrad oder zu Fuß.

Nach unserem Mittagsmüsli erledigen wir ein paar Jobs an Bord. Christine putzt das Oberdeck, ich säubere die Bilge von den Resten des Getriebeöls vom letzten September und kontrolliere die Ölstände in Motor und Getriebe. Das Dinghy braucht etwas Luft in den drei Kammern und wird bei der Gelegenheit auch wieder richtig herum aufgehängt. Beim Polieren des Rumpfs haben die Jungs von der Werft das Beiboot wohl aus den Davits genommen und dann mit dem Bug zur falschen Seite wieder eingehängt.

Am Abend marschieren wir einmal um den Ortskern herum und stürzen uns danach in die Reiseplanung der nächsten Tage. Die hatte ich zwar im Winter schon gemacht. Jetzt gefällt sie uns aber nicht mehr so sehr, weil wir entdecken, dass die Route über Meppel und Assen nach Groningen über Kanäle führt, deren Brücken am Wochenende nicht öffnen und sie über weite Strecken an einer stark befahrenen Straße entlang geht. Außerdem gibt es auf dem Weg sehr viele Schleusen. Da am Wochenende nur ein leichter Ostwind vorausgesagt ist, entschließen wir uns, am Samstag zu starten und den Weg über das Ijsselmeer und Lemmer zu nehmen.

 In der Bilge steht noch Getriebeöl und Frostschutzmittel von den Einwinterungsarbeiten im vergangenen Herbst. Mit Küchentüchern am langen Stil wird es sauber herausgewischt.

 Das Holzgestell an der Wand habe ich dort gerade befestigt, weil es sonst nirgendwo Platz findet. Konstruiert hatte ich es im Winter zu Hause. Es soll irgendwann einmal dabei helfen, die schweren Service-Batterien über den Motor zu schieben, wenn sie ihren Geist aufgeben. Kann eigentlich nicht mehr so lange dauern, denn die Akkus sind mittlerweile 12 Jahre alt.

 Das Dinghy hängt nun in der richtigen Position und die drei Kammern sind wieder prall gefüllt.


 Kleine Walking-Runde am Abend. Einmal rund Elburg-City und zurück.



Freitag, 05. April 2019. Elburg. Besuch in der Sandskulpturen-Ausstellung "Zandverhalen" und Montage einer Steckdose.

Nur wenige hundert Meter vom Jachtcenter Elburg entfernt war uns bereits im vergangenen Jahr eine große Halle aufgefallen, vor der ein Plakat auf die Entstehung einer Indoor-Sandskulpturen-Ausstellung hinwies. Mittlerweile ist das Ganze besichtigungsreif. In drei Gebäuden, wahrscheinlich ehemalige Fabriks- oder Lagerhallen, kann man beeindruckende Bildhauerei auf riesiger Fläche bewundern. Wie man es hinbekommt, den Sand dauerhaft so zu festigen, dass die Kunstwerke auf lange Sicht erhalten bleiben und der Öffentlichkeit (gegen ein Eintrittsgeld von 16,50 p.P) präsentiert werden können, ist uns bisher ein Rätsel und wäre eine Recherche wert.

Am Nachmittag montiere ich eine weitere Steckdose am Schreibtisch, die neben 230 Volt auch 2 USB-Anschlüsse bietet. So etwas kriegt man nicht in jedem Baumarkt und deshalb hatte ich mir das Teil bereits im Winter bestellt. Anschließend kann ich in der hiesigen Chandlery erstaunlicherweise auch noch alle Adapter, Muffen und Übergangsstücke einkaufen, die ich für die Montage eines Außenwasserhahns brauche. Der Laden ist wirklich gut sortiert. Die Montage steht noch nicht jetzt gleich auf dem Programm, aber es ist immer gut, das Material schon mal an Bord zu haben. Während ich mit der Bastelei beschäftigt bin, geht Christine zu Fuß in den Ort um noch ein paar Dinge einzukaufen. Da wir in den nächsten Tagen viele Kilometer machen wollen, werden wir nicht viel Zeit zum Shoppen haben.


 Das Ausstellungsgebäude der weltweit größten Indoor-Sandskulpturensammlung "Zandverhalen" in Elburg.




















 
 Am Nachmittag wieder etwas Bastelarbeit: Eine zusätzliche Steckdose mit zwei USB-Anschlüssen wird montiert.



 Im Vorschiff ist es derzeit noch so kühl, dass die Ablage dort als großer Zweitkühlschrank für Gemüse und Obst fungieren kann.









Adapter und Verbindungen für eine Wasserleitung zum Oberdeck, die ich irgendwann im Laufe des Jahres installieren will. Außerdem kaufe ich neben diesem Sammelsurium noch 4 Meter Kunststoffrohr in der gut sortierten Chandlery hier im Hafen.

Mittwoch, 3. April 2019

Saisonstart


Mittwoch, 03. April 2019. Elburg. Die Gipsy kommt ins Wasser.

Also: Es geht weiter! Nachdem wir zwei Nächte in Osnabrück verbracht und meine Mutter im Pflegeheim besucht haben, brechen wir um 8 Uhr von Anna und Klaus auf und sind zwei Stunden später in Elburg. Die Fahrt vergeht im Flug weil ein hochinteressantes Hörbuch die Zeit verkürzt.

Unser Boot steht schon draußen, außerhalb der Halle, und der Strom ist angeschlossen. Erfreulicherweise sind die Batterien gut geladen. Der Rumpf ist poliert, bis 30 cm unterhalb des Wasserpasses ist neues Antifouling aufgetragen und die rostigen Stellen an den Wasserausläufen von Vorpiek und Gaskasten sind behandelt und glänzen wieder in schönem Blau. Die Opferanoden am Ruder sehen etwas abgegnabbelt aus und wir entschließen uns spontan, diese noch vor dem Zuwasserlassen auszutauschen. Wir setzen die 110 mm Anoden vom Bug ans Ruder (wo zuvor 90 mm Anoden drauf waren) und kaufen für vorn neue. In der Chandlery haben sie zwar nicht die passenden Anoden, aber beim Aufbohren der 6 mm Löcher auf 10 mm ist uns der ansässige Mechaniker schnell behilflich, so dass ich gar nicht erst austesten muss, ob die Batterien von meinem Akkuschrauber noch genug Saft für diese Aktion haben.

Kurz vor Mittag sind wir unter dem Kran und in Nullkommanichts ist der Kahn im Wasser. Der Motor springt sofort an und wir bewegen uns langsam in die Box, die  Antoine uns zugewiesen hat. Jetzt folgen die üblichen Dinge: Auto aus- und Boot einräumen. Alle Systeme langsam in Betrieb nehmen, Wasser auffüllen und die rote Anti-Frost-Brühe aus den Leitungen spülen. Etwa 150 Liter lassen wir durchlaufen, bevor wir den nun wieder leeren Tank komplett mit Frischwasser vollmachen. Wäre ja fast zu schön, wenn nicht noch irgendwas schief ginge. Tut es natürlich auch. Aus der Mischbatterie im achteren Bad spritzt Wasser. Irgendwann am Nachmittag widme ich mich dem Problem und baue das Ding aus. Viel zu sehen ist nicht. Ein O-Ring sieht etwas lädiert aus, aber dafür haben wir keinen Ersatz an Bord. Ich schmiere etwas Fett drauf und baue alles wieder zusammen. Nachdem auch noch der Perlator gereinigt ist, läuft das Wasser wieder und die Leckage ist zumindest deutlich minimiert. Eine neue Kartusche werden wir in den nächsten Tagen bestellen müssen.

Am Abend wandern wir in den Ort um dort essen zu gehen; gegen 20 Uhr sind wir wieder an Bord zurück. Es ist ziemlich frisch und wir sind froh, dass die Heizung klaglos funktioniert.


 Unser Boot steht schon auf dem Hof, als wir ankommen. Ready to go, sozusagen.

 Die Wasserausläufe am Bug sind entrostet und frisch gemalt.

 Die Opferanoden am Ruder sind etwas abgenutzt. Wir ersetzten sie durch diejenigen vom Bug und kaufen neue für vorne.



 Jetzt sind am Ruder auch 110 mm große Anoden, vorher waren sie 20 mm kleiner.





 Die Kartusche aus der Mischbatterie des achteren Badezimmers ist nicht mehr dicht. Ersatz erforderlich, aber den müssen wir sicher im Internet bestellen.


 Wieder im Wasser. Unser Liegeplatz am Abend.









Als wir vom Essen zurück kommen, sieht es fast so aus, als hätten wir das Relief der Schweizer Berge im Rheintal vor uns. Aber es sind natürlich nur Wolken.