Mittwoch, 3. Mai 2017

Ausflug zur Bauwerft

Montag, 01. Mai 2017, Sneek. Besuch auf der Bauwerft unseres Bootes und Dinner-Einladung auf der Touch & Go

Kein schönes Wetter am 1. Mai, aber in Holland ist das ohnehin kein Feiertag. Da wir unser Auto noch vor Ort haben, nutzen wir diesen Tag also, um nach Harlingen zu fahren. Wir wollen der Bauwerft unseres Bootes, Consonant Yachts, einen Besuch abstatten, um ein paar Fragen zu stellen. In einer halben Stunde sind wir in Harlingen, einem Städtchen mit pittoreskem, mittelalterlichen und maritimen Flair direkt an der Waddenzee.

Im neu aussehenden Werftgebäude treffen wir auf Sipko, den Direktor, der den Betrieb erst vor zwei Jahren übernommen hat. Im Gespräch stellt sich heraus, dass von unserem Bootstyp erst zwei Exemplare gebaut wurden und die Gipsy 5 das jüngere ist. Da das Unterdeckslayout verschieden ausgeführt wurde, handelt es sich bei unserem Schiff also um ein absolutes Unikat.  Um unsere Hauptfragen beantworten zu können, muss der Chef in Unterlagen kramen und im Computer in alten CAD-Zeichnungen recherchieren. Aber auch da wird er nicht fündig, was die Verbindung zwischen den beiden Dieseltanks angeht. Es gibt nämlich nur einen Einfüllstutzen und nur eine Entlüftung, aber keine sichtbare Verbindung zwischen den Tanks, so intensiv man auch danach sucht und das habe ich weiß Gott getan. In den Stb-Tank führen Tankstutzen und Entlüftung und auch die Versorgung des Motors erfolgt aus diesem. An den Bb-Tank ist nur die Heizung angehängt. Es muss also eine Verbindung geben und die kann nur an der Rückwand des Schotts sein, das den Motorraum nach achtern begrenzt. Aber diese Wand ist von der anderen Seite komplett verbaut und mit 6 cm Schaum isoliert. Mich würde nun interessieren, in welcher Höhe die Verbindung verläuft, weil davon abhängt, ob das Volumen beider Tanks für den Motor zur Verfügung steht oder ob eventuell aus dem Bb-Tank nur die Heizung gespeist wird. Sipko kann die Frage nicht beantworten, weil die Zeichnungen nichts hergeben. Er ist aber mit mir der Meinung, dass eine solche Trennung keinen Sinn mache und deshalb wohl an tiefer Stelle eine Verbindung gelegt ist. Dann müsste es oben aber eine weiter für die Entlüftung geben. Tja, das ist wohl nicht rauszukriegen, wenn man das Schiff nicht zerlegen will oder die Arbeiter fragen kann, die 2008 daran gewerkelt haben.

Dafür bekommen wir eine exakte Auskunft darüber, welche Farben für den Rumpf und Oberdeck verwendet wurden, damit wir bei Ausbesserungen mit den richtigen Produkten operieren können. Das Dokument, aus dem Sipko diese Informationen abliest, lässt er uns freundlicherweise sogar kopieren, so dass wir nun auch noch über weitere, bautechnische Details zu unserem Boot verfügen. Wir werden ausgesprochen freundlich empfangen und mit Kaffee bewirtet, obwohl der Boss selbst heute Morgen erst von einer 60-stündigen Überführungsfahrt eines Bootes zurückgekehrt und ziemlich müde ist, wie er sagt.

Anschließend schauen wir uns die Innenstadt und die Bootsliegeplätze im Stadtzentrum von Harlingen an. In einem netten Lunchcafé essen wir zu Mittag und fahren dann wieder retour nach Sneek.

Am Abend sind wir zu Drinks und Dinner bei Georgina und John auf der Touch & Go eingeladen. Wir verbringen fast 4 kurzweilige Stunden mit den beiden. Interessanterweise sprechen wir gar nicht so viel über unsere „neuen Boote“, sondern diskutieren ausgiebig die politischen Verhältnisse in der Welt und in Europa. Wir sind erstaunt, wie gut sich die beiden Australier mit der hiesigen Politik auskennen.   


Dienstag/Mittwoch, 2. und 3. Mai 2017. Mit dem Auto nach Osnabrück, mit der Bahn zurück.


Christine muss einen kleinen chirurgischen Eingriff vornehmen lassen, für den wir nicht extra wieder nach Österreich fahren wollen. In Sneek will man die ambulante OP aber nicht machen und so kommen wir auf die Idee, es in Osnabrück zu versuchen. Das sind nur 250 Kilometer von hier und außerdem können wir mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wir verbinden die Fahrt mit einem Besuch bei meiner Mutter und lassen das Auto dann in ihrer Garage stehen. Wir hatten ursprünglich vorgehabt, es in Sneek zu lassen und irgendwann nachzuholen, aber diese Variante ist deutlich besser. Der Eingriff verläuft problemlos, so dass wir am Nachmittag wie geplant den Zug besteigen können und vier Stunden und dreimal Umsteigen später wieder in Sneek landen. Die Wege zum Bahnhof und am Abend zurück zum Boot machen wir zu Fuß, so dass wir heute sogar noch auf 10 km Fußmarsch mit Gepäck kommen. Die De Valk Mannschaft hat das Boot erfreulicherweise an dem äußerst komfortablen Liegeplatz belassen, der eigentlich für größere Ein- und Ausräumaktionen vorgesehen ist und den wir nun schon seit zwei Wochen belegen. Auch wenn die to-do-Liste noch 15 Positionen mit insgesamt etwa 50 Arbeitsstunden umfasst, sind die wichtigsten Dinge erledigt und wir fühlen uns startklar. Nun warten wir noch auf gutes Wetter, so dass wir hoffentlich am Wochenende zu unserer ersten Etappe aufbrechen können. 

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